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Der Tatort-Kommissar rockt los

Südwest Presse

von Simon Wagner

Es gibt sie, diese Momente, an denen einfach alles stimmt. Zum Beispiel am Samstag: Da verwandelte die Miro-Nemec-Band vor rund 350 Fans das Areal an der Wimsener Kulturmühle in einen Hexenkessel.

Am Ende eines ebenso berauschenden wie denkwürdigen Konzertabends an der Wimsener Mühle konnte man sich getrost fragen: Ist dieser Miroslav Nemec nun eigentlich Schauspieler, der nebenbei mit alten Kumpels Musik macht? Oder ist er ein Vollblutmusiker, der nebenbei als Kommissar Ivo Batic vor der Münchner "Tatort"-Kamera steht?

Eine Frage, die sich schon alleine wegen seiner Vita aufdrängt. Schon mit 15 war der in Zagreb geborene Nemec Frontmann in der Schülerband "Asphyxia" (und ist es bis heute). Später studierte er Musik mit dem Schwerpunkt klassisches Klavier am Mozarteum in Salzburg und machte dort seinen Abschluss als Fachlehrer für Musik.

All das, bevor er die Schauspielakademie in Zürich überhaupt von innen sah. 1996, als er bereits viel gebuchter Gast auf Deutschlands TV-Schirmen war, gründete sich um ihn die Miro-Nemec-Band. Ein fränkisches Kollektiv, mit inzwischen elf Musikern - zeitweise auch mit dem renommierten Saxophonisten Klaus Kreuzeder, der unter anderem schon mit Sting, Bill Withers oder Stevie Wonder gearbeitet hat.

Es gibt da aber noch andere Gründe, über die wahre Berufung von Miroslav Nemec nachzudenken. Nämlich dann, wenn der mittlerweile 59-Jährige wie ein Flummi über die Bühne fegt, abwechselnd mal Luftsprünge macht, versunken Luftgitarre spielt oder sich tiefe Furchen in sein Gesicht graben, während er etwa Joe Cocker intoniert: Dann lebt er Musik, dann ist die nüchterne Logik eines "Tatort"-Kommissars weit, weit weg. Seine unermüdliche und charismatische Bühnenpräsenz trug am Samstagabend vor rund 350 Zuschauern maßgeblich dazu bei, dass das kurzfristig nach draußen verlegte Konzert zu einem tollen Spektakel wurde. Befeuert wurde es nicht nur durch den bestens aufgelegten Frontmann, sondern auch durch seine acht langjährigen Bandkollegen aus der Region Hof.

Zu jeder Zeit war bei ihnen die Spielfreude und die unbändige Lust zu spüren, den Abend in etwas Besonderes zu verwandeln. Mit großem Instrumentarium rockte der verschworene Haufen Klassiker der Musikgeschichte ebenso wie kroatische, bosnische oder deutsche. Landläufig heißt das "covern", doch nur selten, gelingen solche musikalischen Imitationen so auf den Punkt und so versiert und kompakt, wie sie in Wimsen zu hören waren.

Jethro Tull, Rolling Stones, Beatles, Steamhammer, AC/DC, Rio Reiser oder Klaus Lage - die Bandbreite schien unerschöpflich und stets auf den Punkt kapriziert. Während des lauen Sommerabends, inmitten von schroffen Felswänden, stieg der Puls so Stück um Stück. Nach und nach fanden sich auch die Zuschauer vor der Bühne wieder, die getrennt durch den Bach, zuvor nur die Hälfte des fulminanten und exzellenten Sounds abbekamen. Hielt sie Miro Nemec zuvor noch mit launigen Ansagen und in bester Alleinunterhalter-Manier bei Laune, ging es spätestens bei Einbruch der Dämmerung vollends ab. Der, der jetzt noch saß, sah nur noch eine wogene Menschentraube vor der Bühne.

Hier war Miro Nemec in seinem Element. Er schrie, er säuselte, er klagte und führte mit seinem leidenschaftlichen wie auch professionell geformten Gesang eine wilde Fahrt nach der anderen an. Und scheinbar gefiel ihm, was er sah. Die zahlreichen Zugaben, die die begeisterten Zuhörer erjubelten, waren in ganzen Blöcken bemessen - aus der Dämmerung war da schon längst tiefschwarze Nacht geworden. "Wimsen, das merken wir uns!", sagte Nemec, der künstlerische Allrounder, zum Abschied. Das gilt auch anders rum.