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Zugabe, Herr Kommissar!

Reutlinger General-Anzeiger

von Marion Schrade

OPEN AIR - Tatort Wimsen: Miro Nemec und Band spielen auf Einladung von GEA und KSK vor der historischen Mühle

HAYINGEN-WIMSEN. Die Nacht verwandelt das Idyll in eine düstere Krimi-Kulisse. Die alte Mühle duckt sich in das verborgene Tal, bedrängt von schroffen Felsen, an deren Kanten sich die Bäume mit ihren Wurzeln festklammern. »Tatort«-Kommissar Ivo Batic alias Miro Nemec betritt das Szenario.

Doch Wimsen ist an diesem Abend nicht Schauplatz eines grausigen Verbrechens, sondern einer Party, die richtig rockt: Miro Nemec spielt nicht nur den Fernseh-Bullen, sondern auch Gitarre und Klavier. Und er kann singen. Bevor er fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen Kriminalfälle löste – 64 sind es bisher, damit ist das Ermittler-Duo Batic und Leitmayr Spitzenreiter – studierte Nemec Musik in Salzburg. Rock ist sein Hobby, erst in der Schülerband, seit 1996 mit den acht Jungs aus dem fränkischen Hof.

Mit denen reißt er beim Open Air vor der Wimsener Mühle auf Einladung von GEA und Kreissparkasse Reutlingen rund 350 Zuhörer von Song zu Song ein bisschen mehr von den Bierbänken – bis die Menge vor der Bühne tanzt. Für Didi Schrade, Programm-Chef der Konzertreihe in Zusammenarbeit mit dem GEA, der große Höhepunkt der Saison.

Sympathischer Showman

Mit den Beatles (»While My Guitar Gently Weeps«) bringen Nemec und seine Combo erst mal ganz dezent den rauschenden Fluss zum Schweigen. »Super Atmosphäre hier!«, ruft der Tatort-Kommissar ins Mikro und spielt, wenn er nicht gerade singen muss, munter Luftgitarre neben seinen Kollegen, die derweil auf echten Saiten zupfen. Ein Saxofon-Solo nutzt er für einen kleinen Spaziergang vor der Bühne.

Nemec ist da, wo das Publikum ist, packt es vom ersten Ton an und verliert es bis zum Schluss – rund zweieinhalb Stunden später – nicht für eine Sekunde. Weil er ein guter Sänger und vor allem ein überaus sympathischer Showman ist, der die Songs anderer Bands nicht nur einfach nachspielt, sondern mit Charisma und seiner exzellenten Band zu seinen eigenen macht. Joe Cocker (»The Letter«), Rio Reiser (»Junimond«), Carlos Santana (»Smooth«), Klaus Lage (»Tausend Mal berührt«) und Mick Jagger (»Sympathy For The Devil«, »Jumpin’ Jack Flash«): Er hat sie alle drauf und man kauft sie ihm gerne ab.

Zwischen den Gassenhauern platzieren Nemec und Konsorten kroatische und bosnische Lieder: Nemec gibt gerne selbstironisch den »Jugo«, überrascht mit Ska-Punk aus seiner Heimatstadt Zagreb und liefert die Übersetzung eines bosnischen Schlagers gleich mit: Da geht es um einen Mann, der seine Frau bittet, Kaffee zu rösten und gegen Mitternacht schon mal im Bett auf ihn zu warten oder so ähnlich. Wie auch immer: »Ein fantastischer Text«, findet Nemec.

Fast wie daheim in Franken

Die Zuhörer, die sich anfangs zumindest physisch in vornehm schwäbischer Zurückhaltung üben, lupft eins der Bandmitglieder mit charmantem Franken-Akzent und Schlagfertigkeit von den gepolsterten Bänken: »Sie können zum Tanzen gerne auch sitzen bleiben, in Hof macht man das auch so.« In Wimsen macht man’s anders.

Je später der Abend, desto schöner rocken Nemec und seine Mannen. In Wimsen, finden sie, ist ein bisschen wie daheim in Franken. Hier wie da ist man offenbar »Born To Be wild«. Billy Idols »Rebell Yell« gellt durchs Tal, grandios gesungen von Uli Saalfrank, und Saxofonist Christian Felke packt die Querflöte aus, um die Lokomotive von Jethro Tull stilecht schnaufen und pfeifen zu lassen.

Die Band spendiert Zugabe um Zugabe, dann stampft der Beat von Queens »We Will Rock You« los – und Miro Nemec singt Heintjes Schlager »Mama« dazu. Überraschend, witzig, grandios.

Verbrecher, sagt man, kehren nur selten an den Tatort zurück. Der rockende Kommissar und seine Band hoffentlich schon. (GEA)